Schmuckbild
Manipulationen von Schutzeinrichtungen verhindern

Inakzeptabel

Schmuckbild
Manipulationen von Schutzeinrichtungen verhindern

Manipulationen von Schutzeinrichtungen an Maschinen nachhaltig verhindern | Teilnehmer eines BGN-Fachforums erarbeiten Lösungsansätze

von Leonhard Blümcke
Akzente 5/2009 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Nachhaltig Manipulationen von Schutzeinrichtungen an Maschinen verhindern – was ist zu tun, damit das gelingt? Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich die 120 Teilnehmer des BGN-Fachforums »Betrieblicher Alltag Manipulation?!«. Nachfolgend die Ergebnisse aus den 4 Workshops.


Manipulation:(K)eine Führungsaufgabe?
Zentrale Frage: Welche Führungsverhaltensweisen fördern die Manipulation von Schutzeinrichtungen, welche verhindern sie?
Einschätzung der Teilnehmer:
Manipulationen werden gefördert durch:
  • Zeitdruck, Leistungsdruck
  • Fehlende Führungskultur (Inkonsequenz)
  • Unkenntnis und Unwissenheit

Führungsinstrumente/verhaltensorientierte Maßnahmen, die Manipulationen verhindern, sind:
  • Gute Führungskultur (Kommunikation, Vorbildfunktion, Arbeitsabläufe planen)
  • Initiative, die von Unternehmensführung ausgeht

Arbeitssituation Beschaffung/Inbetriebnahme
Zentrale Frage: Welche Punkte sind im Zusammenhang mit der Beschaffung/Inbetriebnahme von Arbeitsmitteln am wichtigsten?
  • Klare Definition der bestimmungsgemäßen Verwendung
  • Vertragsgemäße Übergabe
  • Eigene Erprobung beim Hersteller
  • Schulung und Unterweisung

Konflikte zwischen Hygiene und Maschinensicherheit
Die Teilnehmer stellten erfolgreiche Beispiele aus der Praxis vor, bei denen Konflikte zwischen Hygiene und Maschinensicherheit ausgeräumt wurden, indem man Änderungen an der Maschinenkonstruktion vornahm. Manipulationen wurden dadurch überflüssig.
Beispiel: Ein Kochkessel wurde bei laufendem Rührwerk mit einem Wasserschlauch gereinigt. Damit dies möglich war, hatte man den Personenschutzschalter des Deckels manipuliert. Eine konstruktive Änderung an der Maschine macht diese Manipulation jetzt überflüssig. Der Kochkessel erhielt einen Reinigungskopf (Sprayball) zur automatischen Reinigung bei geschlossenem Deckel. Diese Lösung bringt zusätzlich Zeit- bzw. Arbeitsersparnis, so dass sich der finanzielle Aufwand schnell amortisiert hat.

Arbeitssituation Störungsbeseitigung und Instandhaltung
Problem: Es wird manipuliert, weil durch mangelnde Instandhaltung Störungen ausgelöst werden.
Lösungsansätze:
  • Einstellmöglichkeiten von Maschinen in den sicheren Bereich verlegen
  • Ersatz-Betätiger, mit denen überbrückt wird, einsammeln
  • Überbrückungen durch technische Maßnahmen erschweren

Problem: Es wird manipuliert, weil das Verhalten bei Störungen bei der Ein- und Unterweisung nur unzureichend kommuniziert wird.
Lösungsansätze:
  • Ursachen analysieren (Situation und Auslöser)
  • Mitarbeiter befragen (Bediener und Techniker), warum manipuliert wird
  • Mitarbeiter sensibilisieren, Problembewusstsein schaffen
  • Vorgesetzte sensibilisieren
  • Bediener der Maschine an der Lösungsfindung beteiligen

Als Abschlusserklärung verabschiedeten die Teilnehmer das »Mannheimer Memorandum«. Es besteht aus 6 Grundsätzen, in denen Möglichkeiten für Maßnahmen zur Verhinderung von Manipulationen aufgezeigt werden. Die Grundsätze eignen sich auch als Grundlage für Betriebsvereinbarungen.

Die Vorträge des Fachforums, das »Mannheimer Memorandum« und weitere Infos zum Thema finden Sie im Portal Wissen kompakt: Anlagensicherheit