Bild: CE-Zeichen
CE-Zeichen für mehr Sicherheit

Hält das CE-Zeichen, was es verspricht?

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CE-Zeichen für mehr Sicherheit

Sicherheitstechnische Prüfungen an Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen

von Ludger Paquet und Dr. Karl Wickert
Akzente 3/2007 | Magazin für Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Rehabilitation

Erfüllen alle technischen Arbeitsmittel die sicherheitstechnischen Anforderungen, wie es das darauf angebrachte CE-Zeichen dokumentiert? Die Prüf- und Zertifizierungsstelle bei der BGN hat die Erfahrungen aus ihrer Prüftätigkeit genutzt, um die Sicherheit der am Markt befindlichen Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen zu beleuchten. Das Ergebnis: Nicht immer hält das CE-Zeichen, was es verspricht.


Entspricht die Maschine auch den sicherheitstechnischen Anforderungen? Diese Frage stellt man sich im Betrieb nicht immer beim Kauf einer neuen Maschine. Hier interessiert vielmehr die Frage, ob die Maschine die produktionstechnischen Anforderungen wie Leistung, Zuverlässigkeit, Wartungsfreundlichkeit usw. erfüllt. Die Sicherheitstechnik wird dagegen seltener hinterfragt. Es wird allgemein erwartet, dass die Maschine gemäß den geltenden sicherheitstechnischen Anforderungen gebaut und damit sicher ist. Schließlich hat der Hersteller das CE-Zeichen an der Maschine angebracht und eine Konformitätserklärung ausgestellt. Damit ist für viele Betreiber das Thema Sicherheit von Arbeitsmitteln bereits erledigt.

Geprüfte Maschinen: deutlich geringeres sicherheitstechnisches Risiko
In der Konformitätserklärung erklärt der Hersteller, dass das von ihm hergestellte Erzeugnis den europäischen Richtlinien - und damit auch den sicherheitstechnischen Anforderungen - entspricht. Er dokumentiert dies, indem er das CE-Zeichen anbringt. Dazu ist er nach geltendem Recht verpflichtet. Nur wenige Betreiber verlangen zusätzlich die Prüfung der Maschine durch eine unabhängige Stelle, die nach erfolgreichem Abschluss zur Kennzeichnung mit dem GS-Zeichen oder BG-Zeichen berechtigt. Macht es denn einen Unterschied, ob ein technisches Arbeitsmittel von einer unabhängigen Stelle geprüft wurde oder nicht? Dieser Frage ist die Prüf- und Zertifizierungsstelle bei der BGN im Rahmen einer Untersuchung nachgegangen. Das Ergebnis: Technische Arbeitsmittel, die einer Baumusterprüfung durch eine unabhängige Stelle unterzogen wurden, weisen ein um den Präventionsfaktor 13 geringeres sicherheitstechnisches Risiko auf als ungeprüfte Produkte. Das bestätigt wieder einmal mehr die Auffassung der Berufsgenossenschaften, die seit Jahrzehnten überzeugt sind, dass sich die Baumusterprüfung technischer Arbeitsmittel positiv auf den Arbeitsschutz, insbesondere auf die Unfallverhütung, auswirkt. Der hohe Präventionsfaktor für geprüfte Produkte führt zu der Schlussfolgerung, dass zumindest ein Teil der nicht geprüften Erzeugnisse deutliche Mängel aufweist und damit tatsächlich nicht den sicherheitstechnischen Anforderungen entsprechen dürfte.

MÖGLICHKEITEN DER MÄNGEL-ERKENNUNG
bei der Inbetriebnahme des TA
Anteil der Mängel in %
Bei der Sichtprüfung durch eine sicherheitstechnisch
geschulte Person erkennbar (z.B. SB, SIFA, TAB)
14
Bei der Sichtprüfung durch eine fachlich qualifizierte und
sicherheitstechnisch geschulte Person erkennbar
(z.B. Elektrofachkraft, Steuerungs-, Pneumatik-, Hygiene-
fachmann, ggf. SB, SIFA, TAB)
19
Nur bei der gezielten Untersuchung durch eine fachlich
qualifizierte und sicherheitstechnisch geschulte Person
erkennbar (z.B. auch Prüfer bei der Baumusterprüfung)
67

Mängelprüfung bei nicht baumustergeprüften Produkten
Bisher liegen keine systematischen Untersuchungen darüber vor, in welchem Umfang die auf dem Markt befindlichen - nicht baumustergeprüften - Erzeugnisse mit Mängeln behaftet sind und damit nicht den Anforderungen der europäischen Richtlinien entsprechen. Eine derartige Untersuchung wäre mit einem hohen Aufwand verbunden. Um dennoch eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, hat die Prüf- und Zertifizierungsstelle bei der BGN ihren eigenen Datenbestand genutzt und ausgewertet.
Jede Baumusterprüfung umfasst die Feststellung und Dokumentation von Mängeln des geprüften Produktes, sofern welche vorhanden sind. Die Dokumentation beschreibt somit den Zustand des technischen Arbeitsmittels, wie es in Verkehr gebracht worden wäre, wenn es nicht zur Prüfung vorgestellt worden wäre.
Die Auswertung des Datenbestandes der Prüf- und Zertifizierungsstelle bei der BGN brachte folgende Ergebnisse:
  • 49% der Maschinen hatten schwerwiegende Mängel.
  • 27 % der Maschinen hatten mittelschwere Mängel.
  • 24 % der Erzeugnisse erhielten den Status »nur leichtere Mängel«.
  • Kein Produkt war mängelfrei.
All diesen Erzeugnissen musste aufgrund dieser ersten Beurteilung das Zertifikat der Prüf- und Zertifizierungsstelle zunächst verweigert werden. Dieses Zertifikat bestätigt die sicherheitstechnische Konformität im Arbeitsschutz und steht nur mängelfreien Produkten zu. Dennoch waren alle Erzeugnisse mit einem vom Hersteller angebrachten CE-Zeichen gekennzeichnet.
Das Ergebnis stimmt nicht optimistisch. Es beschreibt den Stand der Maschinen- und Gerätesicherheit bei Erzeugnissen, die nach Entwicklung, Konstruktion, Fertigung und Montage vom Hersteller in Verkehr gebracht und gleichzeitig oder später der BGN zur Baumusterprüfung vorgestellt werden. Es ist davon auszugehen, dass bei Herstellern, die ihre Erzeugnisse nicht einer Prüfstelle vorstellen, ähnliche Verhältnisse vorliegen wie bei Herstellern, die ihre Erzeugnisse erstmals prüfen lassen (hier als Neukunden bezeichnet). Sie unterscheiden sich von den »Neukunden« lediglich durch die fehlende Prüfabsicht. Es ist also anzunehmen, dass diese ungeprüften Nahrungsmittel- bzw. Verpackungsmaschinen Mängel aufweisen und damit nicht den Anforderungen der Maschinenrichtlinie entsprechen.