26.07.2017, 06:32 Uhr » Verkettung von Maschinen

Verkettung von Maschinen

Sicherheitstechnischer Zusammenhang

Ein sicherheitstechnischer Zusammenhang liegt vor, wenn ein Ereignis an einer Maschine zu einer Gefährdung an anderen Maschinen führen kann. Die dann notwendigen sicherheitstechnischen Maßnahmen (z.B. Sicherheitssteuerung für die Gesamtheit) gewährleisten die Sicherheit der Gesamtheit. Basis für die zu treffende Entscheidung, ob ein sicherheitstechnischer Zusammenhang besteht, ist die Untersuchung der Schnittstellen zwischen den einzelnen Maschinen.

Wird im Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung festgestellt, dass die an den Schnittstellen zwischen den Maschinen auftretenden Gefährdungen als gering zu betrachten sind und durch einfache, trennende und willensunabhängige Schutzmaßnahmen beseitigt werden können oder ein akzeptables Risiko erreicht werden kann, können die betreffenden Maschinen als Einzelmaschinen betrachtet werden.

Sofern kein sicherheitstechnischer Zusammenhang besteht, sind die jeweiligen Maschinen weiterhin als Einzelmaschinen zu betrachten. Eine Konformitätserklärung und eine zugehörige CE-Kennzeichnung für die Gesamtanlage sind in diesem Fall nicht erforderlich.
Unabhängig davon, ob die Beurteilung ergibt, dass die Maschinenrichtlinie auf die Gesamtheit anzuwenden ist oder nicht, bedarf es in jedem Fall einer Risikobeurteilung, um feststellen zu können, ob eine sicherheitstechnische Verknüpfung vorliegt. Dabei sind die Schnittstellen zwischen den Einzelmaschinen und Möglichkeiten der Übertragung von Gefährdungen im Rahmen einer Risikobeurteilung zu untersuchen. Damit behält die Risikobeurteilung weiterhin ihre zentrale Bedeutung. Die Anwendung der genannten Kriterien soll an nachfolgenden Beispielen dargestellt werden:

Beispiel 1

Zur Herstellung von Sammelpackungen wird eine Verpackungsmaschine, die PET-Flaschen in eine Faltschachtel einbringt, mit einer Verschließmaschine kombiniert. Die Verbindung der Maschinen erfolgt mittels einer dritten Maschine, einer angetriebenen Rollenbahn. Am Einlauf der Verschließmaschine sorgt ein Sensor dafür, dass bei einem Produktstau die zugehörige Verschließmaschine in Halt geht.
Ein weiterer Sensor an der Rollenbahn schaltet bei Produktstau die Rollenbahn ab. Ebenso ist der Auslauf der Verpackungsmaschine mit einem Sensor versehen, der bei Produktstau die Verpackungsmaschine abschaltet. Produktionstechnischer Zusammenhang Die Maschinen sind zu dem Zweck angeordnet, PET-Flaschen in einen Karton einzubringen und den Karton transportfertig zu verschließen.
Das Kriterium eines gemeinsamen Zieles einer produktionstechnischen Einheit ist gegeben. Die Maschinen sind nicht über eine gemeinsame Steuerung miteinander verbunden. Eine steuerungstechnische Verknüpfung – als bestimmendes Merkmal für einen produktionstechnischen Zusammenhang – ist somit nicht vorhanden. Der produktionstechnische Zusammenhang ist insgesamt nicht gegeben.

Sicherheitstechnischer Zusammenhang

Im Rahmen der Risikobeurteilung wurden an den Schnittstellen geringe Quetsch- bzw. Einzugsgefährdungen identifiziert. Diese Gefährdungen wurden durch einfache trennende Schutzeinrichtungen beseitigt. Die Risikobeurteilung hat ergeben, dass eine Gefährdungsübertragung von einer Maschine auf eine andere Maschine nicht möglich ist.
(Anmerkung: Dieses Ergebnis hat in dem vorliegenden Beispiel unmittelbare Auswirkung auf die Aussage zur steuerungstechnischen Verknüpfung. Hätte die Gefährdungsanalyse in die-sem Punkt ergeben, dass eine gemeinsame Abschaltung aus sicherheitstechnischen Gründen notwendig ist, wäre eine steuerungstechnische Verknüpfung gegeben. Insofern sind die Ergebnisse der Risikobeurteilung ggf. erneut im Hinblick auf die zuvor betrachteten Kriterien anzuwenden.)

Im Sinne des Interpretationspapiers liegt kein sicherheitstechnischer Zusammenhang vor. Ergebnis Es liegt keine Gesamtheit von Maschinen im Sinne der Maschinenrichtlinie vor.